Die Loreley-Dichtung: Wahrheit oder Legende? Von jedem wohl ein bißchen. Denn gemeint ist ja nicht nur die gigantische Aufschichtung von Schiefergestein, welche die Talenge des Rheins bei St. Goar in so eindrucksvoller Weise markiert. Es waren deutsche Dichter, die den hoch aufragenden Felsen nahe bei St. Goar berühmt gemacht haben. Der eine, Clemens von Brentano, schildert in seinem Roman "Godwi" (1801) die Lore Lay. Eine hinreißend schöne Frau, die dazu verflucht war, Männern den Kopf zu verdrehen und ihnen nur Unheil zu bringen. In ihrer Betroffenheit darüber und weil sie diesem Fluch seine Wirkung nehmen wollte, stürzte sie sich vom höchsten Punkt des Felsens in den Rhein. Die andere Version dieser Sagengestalt hat Heinrich Heine in Reime gefaßt (1824), die durch die Vertonung von Friedrich Silcher zum weltberühmten Hit geworden sind. "Sie kämmt ihr goldenes Haar", wobei sie ein Liedchen trällert, das eine "wundersame, gewaltige Melodei" gehabt haben soll. Und die Schiffer, anstatt auf die Untiefen und wilden Strömungen zu achten, gaffen zu ihr hinauf, krachen mit ihren Booten vor die Felsen und werden von den Strudeln des Stromes in den Abgrund gerissen, der an dieser Stelle immerhin 27 Meter mißt. "Das hat mit ihrem Singen die Loreley getan", endet das Lied. Die Loreley gibt es immer noch. Besser es gibt sie schon wieder. Möglich, daß sie das Herz des einen oder anderen Mannes schneller schlagen läßt. Sie bringt jedoch niemandem mehr Unglück und sie stürzt sich bestenfalls ins Vergnügen statt in den Fluß. Alle zwei Jahre wird unter den jungen Frauen der Region die Hübscheste zur Loreley gewählt. Mit dieser Wahl entstehen der wieder lebendig gewordenen Sagengestalt aber auch Pflichten: Sie repräsentiert die wunderbare Mittelrheinlandschaft samt ihrer köstlichen Weine in der Öffentlichkeit. So finster sich die schroffe Felsformation vom Fluß her gesehen auch ausnimmt, auf dem Tableau ihres Gipfels geht es oft fröhlich und zuweilen gar ausgelassen zu. Dann nämlich, wenn Konzerte berühmter Rockgruppen oder Theater- und Operetteninszenierungen über die Bühnen des Amphitheaters gehen. Aber auch so lohnt sich eine Fahrt hinauf auf den 132 Meter hohen Gipfel, von dem aus man einen herrlichen Ausblick ins Rheintal bis hinüber auf die Berge des Hunsrück hat. Der berühmte Schieferfelsen bezieht indes die Deutung seines Namens nicht allein aus Sagen und Legenden der zitierten Dichter; auch sie haben sich an den Volksmund gehalten. Da will man in mondhellen Nächten schon Elfen beim Tanz gesehen haben. Im mittelhochdeutschen auch "Lure" genannt. Und da in eben dieser Sprache ein Fels als "Lei" bezeichnet wurde, dürfte der Ursprung des Namens Loreley gefunden sein. |